Homo Energeticus

Die Energiebranche ist in Aufruhr: Nach Jahren des geordneten, beschützten Wirtschaftens definiert die Energiewende die Regeln der Marktbearbeitung neu und stellt die Versorger vor erhebliche strategische Herausforderungen. Sei es der Netzaus- bau, das Kontern von "grünen" Erwartungen oder die Bindung von Bestandskunden - die Energieversorger kämpfen an allen Fronten. Die Maßnahmen der Unternehmen gehen jedoch auseinander, und nirgends zeigt sich eine klare Strategie. Aktuell, so scheint es, hat kein großer Versorger eine sichere Vorstellung, in welche Richtung die Energiewende die Marktbedingungen und das Verbraucherverhalten in Deutschland verschiebt. Davon zeugt beispielsweise die wechselhafte Kommunikation der Energiekonzerne. Mancher versucht es mit Aufklärungskampagnen zu regenerativen Energien und Energiespeicherlösungen, andere mit stimmungsvollen, esoterisch angehauchten Imagekampagnen. Zudem probiert man es mit dem Angebot elektronischer Energiesparprodukte in Onlineshops. Im Vertrieb wird ebenfalls massiv experimentiert: Die Filialen der Deutschen Post nutzen einige Energiemarken als stationären Absatzkanal - mit fragwürdigem Erfolg. Durch Kooperationen mit branchenfremden Unternehmen sollen neue Geschäftsfelder erkundet und erschlossen werden. Diverse Versorger testen die Zusammenarbeit mit Automobilfirmen, um sich auf Infrastrukturaufträge für Elektroautos vorzubereiten. Dabei bieten Elektroautos nach neuesten Studien eine kaum bessere Klimabilanz - und sind damit noch lange nicht als echte Alternative gesetzt. Kurz: Die Energiewirtschaft ist mächtig verunsichert und versucht mit wenig koordinierten Aktionen Herr der Lage zu werden.

Die Unsicherheit begründet sich durch zwei wesentliche Entwicklungen: Auf der einen Seite kämpfen Energieversorger mit großen Veränderungen in Politik und Gesellschaft, auf der anderen Seite verändert sich der Markt, dessen Konsumenten - als Taktgeber des Marktes - mit völlig neuen Motiven und Einstellungen aufwarten.

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